Die Geschichte des Papiergeldes - (Teil 3)
Inhalt:
- das erste Papiergeld in Italien, Norwegen, Rußland und
Polen
- erstes Papiergeld in Kanada
- das Papiergeld der Vereinigten
Staaten von Amerika
In Italien entwickelte sich das
Banksystem früher als in allen anderen europäischen Staaten. Bereits im
Mittelalter existierten Banken, wie die "Casa di St. Giorgio" in
Genua, die "Banco di Sant' Ambrogio" in Mailand oder die "Banco
di Rialto" in Venedig, die Quittungen für hinterlegtes Geld und Wechsel
ausstellten. Diese Scheine waren mit einer Aufschrift versehen und übertragbar.
Sie können daher als Vorläufer der Banknoten betrachtet werden. Richtige
Banknoten gab es aber erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts im Königreich
Sardinien. Später erschienen Noten
der "Sacro Monte della Pieta di Roma" und der "Banco di Santo
Spirito di Roma".

29 Scudi-Note der Banco di Santo Spirito di Roma von 1796
In Norwegen, das zu dieser Zeit zum Königreich Dänemark gehörte, erhielt der Kaufmann Jørgen thor Møhlen 1695 die Erlaubnis, zinslose Noten auszugeben. Da die Bevölkerung diesen Scheinen misstraute und sie gleich zur Einlösung präsentierte, geriet thor Møhlen bald in Zahlungsschwierigkeiten, so dass weitere Notenausgaben untersagt wurden. In Dänemark selbst ließ König Frederick IV. 18 Jahre später, während des Nordischen Krieges 1713, ein eigenes Papiergeld drucken.

25 Rixdaler-Note des norwegischen Kaufmanns Jørgen thor Møhlen von 1695
Die in Rußland 1768 von Katharina II. gegründeten Assignationsbanken erhielten Kupfermünzen, um das zu gleicher Zeit vom Staat ausgegebene Papiergeld einlösen zu können. Das anfangs beliebte Papiergeld wurde vor allem während des zweiten Krieges gegen die Türken (1787 – 1792) in immer größeren Mengen ausgegeben und verlor daher an Wert gegenüber den Münzen. Seit damals gibt es in Rußland eine ununterbrochene Folge von Staatspapiergeld bis in unsere heutige Zeit.

25 Rubel-Note von 1784, einzulösen bei den Assignationsbanken
In Polen wurden 1794 beim Aufstand unter Tadeusz Kósciuszko verschiedene Arten von Scheinen verwendet, die alle nach der Niederwerfung des Aufstandes wertlos wurden. Nur im Herzogtum Warschau, das von Napoleon in Personalunion mit dem Königreich Sachsen geschaffen wurde, brachte man anschließend wieder Papiergeld in Umlauf. Die sogenannten Kassenbillets waren den in Sachsen umlaufenden Scheinen sehr ähnlich.

500 Zloty-Schein aus der Zeit des polnischen Aufstandes unter Tadeusz
Kósciuszko von 1794
Auch in der Neuen Welt, Amerika, kannte man bereits im 17. Jahrhundert Papiergeld. Die mangelhafte Versorgung Kanadas mit Münzen unter der französischen Kolonialverwaltung führte zu einem ständigen Mangel an gesetzlichen Zahlungsmitteln. Um den Sold der Soldaten auszahlen zu können, schritt man 1695 zur Selbsthilfe. Man benutzte Spielkarten, die in vier Teile zerschnitten worden waren und das Siegel des Schatzmeisters, sowie die Unterschriften des Gouverneurs und des Verwalters trugen, als Papiergeld. Später folgten Ausgaben auf halben und ganzen Spielkarten, die bald in der ganzen Kolonie im Umlauf waren. Erst 1718/19 ließ der Gouverneur dieses Geld einziehen und verbot die Ausgabe weiterer Noten. 1729 wird von neuen Ausgaben dieses seltsamen Geldes berichtet, das in immer größeren Mengen umlief. Als die Briten 1759 die kanadischen Gebiete übernahmen, waren Noten von mehr als 14 Millionen Livres im Umlauf. Da sich die französische Regierung weigerte, die Noten einzulösen, sank deren Wert immer mehr, bis schließlich mit Frankreich ein Abkommen über den Umtausch dieser Noten unterzeichnet wurde.
1690 fehlte es der Kolonie
Massachusetts an Geld, um die aus Kanada zurückkehrenden Soldaten zu bezahlen.
Das führte zur Ausgabe von sogenannten ""Colonial Bills of
Credit". Weitere Kolonien, wie Conneticut, New York, South Carolina und
andere folgten dem Beispiel ein Jahr später mit der Ausgabe eigener Noten. Man
glaubte, dass ein verstärkter Umlauf von Papiergeld den allgemeinen Reichtum
rasch vergrößern würde und so wurden immer mehr Noten ausgegeben. Auch Benjamin
Franklin war dieser Ansicht, wie man in seiner Abhandlung "A Modeste
Inquiry Into the Nature and Necessity of a Paper Money" nachlesen kann.
Alle Versuche der britischen Regierung, die Abwertung dieses Geldes am Anfang
des 18. Jahrhunderts aufzuhalten, schlugen fehl. Und so musste Amerika mit
seinen Colonial Bills die gleiche Erfahrung machen wie Frankreich mit den Noten
von John Law: Sie wurden wertlos.
Nach der Schlacht von Lexington 1775 wurde ein neuer Versuch mit Papiergeld
unternommen. Der Continental Congress ordnete die Ausgabe von sogenannten
"Continental Bills" an. Nachdem die Noten ein Jahr in Umlauf gewesen
waren, hatten sie bereits einiges an Wert eingebüßt. 1777 erhielt man für
10 Dollar in Continental Bills nur noch einen Silberdollar. 1780 entsprach
ein Silberdollar bereits 75 Dollar in Papiergeld und 1781 war das
Verhältnis auf 1 zu 1000 hochgeschnellt. George Washington notierte damals: Ein
Eisenbahnwaggon voll mit Geldscheinen reicht gerade aus, um einen Waggon mit
Lebensmitteln zu kaufen.

Staatspapiergeld über 50 Dollar aus South Carolina von 1779
Liberalere Gesetze im 19. Jahrhundert erlaubten
einer unermesslich großen Zahl von Privatbanken die Ausgabe eigener Noten.
Viele dieser Noten waren von Anfang an wertlos. Sogenannte
"Wildcat-Banks" eröffneten ihre Geschäftsstellen in völlig entlegenen
Gebieten - in denen es mehr wildcats (Wildkatzen) als Menschen gab- um so ihre
betrügerischen Geschäfte fernab jeder Kontrolle ausführen zu können. Nur in den
Neu-England-Staaten wurde durch die Einführung strenger Strafen gegen solche
Betrügereien erreicht, dass sich ein stabiles Banken-System entwickelte.
Durch den Bürgerkrieg wurde die Abneigung, die bereits in Friedenszeiten
gegenüber dem Papiergeld vorhanden war, noch vergrößert, da die Geldscheine der
Konföderierten Staaten nach dem Sieg des Nordens völlig wertlos wurden.
Die amerikanischen Scheine des 19. Jahrhunderts sind sehr geschmackvoll,
motivreich und drucktechnisch oft hervorragend und so mag es nicht überraschen,
dass diese heute zu beliebten Sammelobjekten geworden sind und das nicht nur in
den USA.
In der Zeit des Bürgerkrieges entstand auch das erste Staatspapiergeld der
Vereinigten Staaten von Amerika, das bis heute seine Gültigkeit nicht verloren
hat.

5 Dollar-Note der Bank of Hamburg, South Carolina von 1860

100 Dollar-Note der Konföderierten Staaten von Amerika aus dem Bürgerkrieg,
1862

Staatspapiergeld der USA über 2 Dollar von 1917
Der Weg zur Zentralisation des Notenbankwesens war in den meisten Ländern mühsam. Diese Entwicklung, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, oft jedoch erst gegen dessen Ende begann, dauerte bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts und ist in manchen Ländern auch heute noch nicht abgeschlossen.
* * *
Während man bei den frühen Scheinen bestrebt war, sich auf eine zweckgebundene Gestaltung zu beschränken, um so den "Dokumentencharakter" zu unterstreichen, begann man mit der Entwicklung der Drucktechnik im 18. und 19. Jahrhundert auch Bildschmuck mit einzubauen. Man wollte mit diesen Ornamenten (die später durch die sogenannten "Guillochen" zu einem charakteristischen Wertpapierdruck weiterentwickelt wurden) und dem Bildschmuck zwar auch die Scheine schöner gestalten, doch sollten sie vor allem dem Fälschungsschutz dienen. Im Gegensatz zu den meist schmucklosen europäischen Scheinen aus dieser Zeit zeigen die amerikanischen Noten eine Vielzahl von Motiven, so dass es nicht erstaunlich ist, dass diese Scheine schon früh beliebte Sammelobjekte wurden.
Mit der zunehmenden Bedeutung des Papiergeldes
als Zahlungsmittel begann man auch größeren Wert auf die Gestaltung der
Geldscheine zu legen. In vielen Fällen ist uns bekannt, welche Künstler -
darunter auch namhafte - mit der Herstellung von Entwürfen zu Geldscheinen
beauftragt wurden. In ebenso vielen Fällen blieben uns die entwerfenden
Künstler unbekannt, und nur die Qualität ihrer Arbeit spricht für ihr Können.
Gerade der Geldschein bietet mit seiner relativ großen Fläche (im Vergleich zu
Münze und Briefmarke) viel Platz für Motive, und so benutzen immer mehr Staaten
ihr Papiergeld nicht nur als Zahlungsmittel, sondern - durch die Abbildung von
berühmten Persönlichkeiten, durch die Darstellungen aus Kultur und Geschichte,
der Entwicklung in Verkehr und Technik, von einheimischen Tieren und Pflanzen -
auch als eine Art Visitenkarte ihres Landes.